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«Spiel mir das Lied vom Brot»

Dem Hunger eine Stimme geben
Samstag, 27. Februar 2010, Alter Gemeindesaal Lenzburg

Mit Leichtigkeit verwoben die Mitwirkenden lateinamerikanische Rhythmen mit Erzählungen aus dem Alltag im Süden und realpolitischen Ansätzen. Unterhaltsam und gespickt mit feinem Humor machte die Konzertlesung «Spiel mir das Lied vom Brot» dem Publikum die Themen der diesjährigen Brot-für-alle-Kampagne, Nahrung und Gerechtigkeit, «schmackhaft».

Die virtuosen Klänge und ausdrucksstarken Stimmen der Musiker von Grupo Sal erzählen von den Strömen heimatloser Menschen, von der Einsamkeit junger Menschen im Exil oder von den Unterdrückten und deren Mut, aufzubegehren. Mit ihrer Spielfreude zogen die Musiker so manchen Zuschauer in ihren Bann.

Diese Klänge verwoben sich mit Geschichten über den Einfallsreichtum der Händler im Süden, erzählt von Katharina Morello. Im Zentrum standen die kleinen Märkte und Menschen, die mit Willen und Kreativität ums Überleben kämpfen. Zurück von ihrem Aufenthalt in Simbabwe, stellte Katharina Morello beim Einkauf im Supermarkt fest, dass «wir zu viel haben, schlicht viel zu viel!» und «dass weniger manchmal auch mehr ist».

Weltweit hungern eine Milliarde Menschen, obwohl die Landwirtschaft genügend Kalorien produziert, um die gesamte Bevölkerung zu ernähren. Was läuft schief? Die marktwirtschaftlichen Mechanismen in der globalen Nahrungsmittelproduktion sind nach Ruedi Baumann, ehemaliger Nationalrat und Präsident der Grünen Partei und heute Biobauer in Frankreich, mitverantwortlich für den zunehmenden Hunger. Ernährungssicherheit wird vor allem durch die regionale Landwirtschaft der selbstständigen Bauern garantiert und «darf nicht auf dem Altar des rücksichtslosen Welthandels geopfert werden», so Ruedi Baumann. Zunehmend würden die Bauern im Süden in die Abhängigkeit internationaler Konzerne und Kreditvergabeinstitute geraten. Im weltweiten Machtpoker hätten die Länder des Südens oft das Nachsehen: «Hungernde haben keine Stimme», so Ruedi Baumann. 

Die Würdigung kleiner Schritte
Aas nützt die Entwicklungshilfe? «Um den Hunger wirksam zu bekämpfen, braucht die Welt einen Süden ohne Komplexe», so Ruedi Baumann. Die Länder im Süden hätten genug von Heerscharen von Helfern aus dem Norden, die mit guter Absicht helfen wollten, aber kaum wüssten, was diese Menschen benötigen. Entwicklungshilfe könne nur funktionieren, wenn sie die Selbstbestimmung respektiere. Für eine wirksame Hilfe gebe es keine Patentrezepte. Es gelte die kleinen Schritte zu würdigen. Veränderungen bräuchten aber Zeit – und Träume. Als Beispiele wirksamer Alternativen nannte er die biologische Landwirtschaft, Mikrokredite, die Förderung der Menschenrechte und die internationale Entwicklungspolitik, welche sich für faire Spielregeln und Chancenausgleich einsetze. Als Konsumenten hätten wir es in der Hand, den fairen Handel zu fördern.

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