Rückblick 7. Klass-Unterricht zum Thema "Blind sein..."
Wow - war das ein Nachmittag!
Am Samstagnachmittag, 06. September 2025 besuchte uns Marco Jörg im Wahlfachkurs für die 7. Klasse. Ich hatte mit Marco Jörg per E-Mail vereinbart, ihn um 13.23 Uhr auf dem Perron vier am Bahnhof in Othmarsingen abzuholen. Mein Gefühl war ein bisschen mulmig, ob ich ihn dann auf den ersten Blick erkennen konnte. Ich wurde von einer Herzlichkeit und Wärme überrascht. Ohne Hemmung legte er seine rechte Hand auf meine Schulter und so führte ich ihn in das Kirchgemeindehaus in Othmarsingen. Während ich noch ein paar Vorbereitungen erledigte, spielte Marco Klavier und sang dazu. Und wie er spielte und sang – einfach wunderschön.
Um 14.00 Uhr trudelten die Jugendlichen ein und im Kreis wurden wir von Marco aufgefordert, die Augenbinden aufzusetzen und so seinem Klavierspiel und Gesang zu lauschen. Es war für mich ein anderes Zuhören, wenn der Sehsinn abgedeckt wird.
Marco Jörg erzählte uns aus seinem Leben. Er ist von Geburt an blind. Seine Eltern haben ihm ermöglicht so normal als möglich aufzuwachsen. Er erzählte uns von seinem Werdegang als dipl. med. Masseur über das Studium in Theologie bis zur Gründung der Stiftung David Dienst Schweiz, in welcher er als Geschäftsführer amtet, und seinen Sitz in Aarau hat. Wir erfuhren auf eindrückliche Art und Weise wie er mit sechs Jahren das Elternhaus verlassen musste, um in einem Internat die Schule für Seebehinderte zu besuchen. Das sei für ihn eine schwierige Zeit gewesen. Marco las uns aus der Bibel für Sehbehinderte die Geschichte von Bartimäus vor. Er erklärte uns, dass sein Leben viele Parallelen mit dieser Geschichte habe. Für die Jugendlichen war interessant, wie Marco sein Handy betätigt. Er hat für uns den Sprachmodus extra langsamer eingestellt. Aber ehrlich, auch so habe ich fast nichts verstanden. Marco ist verheiratet, hat zwei Töchter und zwei Enkel.
Die Jugendlichen konnten ganz viele Fragen stellen und wir lernten das der «Blindenhund» korrekt «Blindenführhund» heisst. Nach der Pause bereiteten wir einen Apéro vor, zu welchem die Eltern und Geschwister eingeladen waren. Bei guten Gesprächen und feinem Essen liessen wir den Nachmittag ausklingen.
Blind sein – wir als Sehende können uns gar nicht vorstellen wie es ist, die Welt ohne Sehen wahrzunehmen. Marco hat uns einen Einblick gegeben und für mich ein bisschen die «Blindenwelt» eröffnet.
Herzlichen Dank an die Jugendlichen, dass ihr an diesem Nachmittag mit dabei wart!
Karin Rätzer, Sozialdiakonin